Gute Beispiele für nachhaltiges Wirtschaften: die GLS Bank

Wer sich kritisch mit dem Finanzsektor befasst, denkt bei Banken wohl zunächst an die Weltfinanzkrise im Jahr 2008, an „bad banks“, Derivaten-Handel und Spekulationsgeschäfte. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ dagegen ist im Zusammenhang  mit dem Finanzsektor immer noch eher ein „Fremdwort“. Dass es auch anders geht, zeigt bereits seit 1974 die GLS Bank. 

Entstanden ist die GLS Bank im Umfeld der Waldorfschulen. Als im Ruhrgebiet Ende der 50er Jahre eine solche Schule gegründet werden sollte, fand sich kein Bank-Institut, das dafür einen Kredit ausreichen wollte. Wilhelm Ernst Barkhoff und seine Mitstreiter*innen entwickeln aufgrund dieser Erfahrung ein professionelles Angebot zur gemeinschaftlichen Finanzierung: eine „Leih- und Schenkgemeinschaft“. Sie war die Basis für die 1974 gegründete GLS Bank, die wohl erste sozial-ökologisch orientierte Bank  überhaupt. Die Bank ist als Genossenschaft organisiert und Mitglied im  Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Der Hauptsitz befindet sich immer noch im Ruhrgebiet, in Bochum. Außerdem gibt es mittlerweile sieben Filialen im gesamten Bundesgebiet, eine davon in München. Von den fast tausend Instituten im VR-Verbund rangiert die GLS Bank mittlerweile auf Platz 21, was ihre Bilanzsumme angeht. 

Seit ihrer Gründung ist die Finanzierung von Projekten der ökologischen Landwirtschaft ein Schwerpunkt der Bank. So entstand bereits im Jahr 1996 ein Saatgutfonds, der Stiftungen und Unternehmen der Biobranche sowie die ökologische Saatgutforschung und -entwicklung förderte. Das Engagement für die Ökologisierung der Landwirtschaft mündete in die im Jahr 2000 gegründete Zukunftsstiftung Landwirtschaft. 2009 wurde zudem ein Bio-Bodenfonds ins Leben gerufen, der zur Bewahrung eines der größten biologischen Landbauprojekte Europas in der Brandenburger Uckermark beitragen soll. 

Auch bei der Förderung regenerativer Energien spielte die GLS Bank eine Vorreiter-Rolle. Eines der ersten Windräder, das in der Bundesrepublik errichtet wurde, entstand 1988 dank eines ihrer Darlehen. Und die als „Schönauer Stromrebellen“ bekannt gewordene Bürgerinitiative, aus der sich dann die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) entwickelten, konnte 1996 aufgrund der finanziellen Unterstützung durch die GLS Bank das Stromnetz der Gemeinde übernehmen. 

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Bank war 2003 die Übernahme der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Ökobank. Im Jahr 2008 wurde erstmals die Bilanzsumme von einer Milliarde Euro überschritten. Seit 2008 hat sie ihre Bilanzsumme verfünffacht. 

Das Geschäftsprinzip der GLS Bank ist klar: Sie spekuliert nicht mit dem ihr anvertrauten Geld – sie betreibt zum Beispiel keinen Derivate-Handel -, sondern sie vergibt Kredite an nachhaltige Unternehmen, die sozial, ökologisch und ökonomisch sinnvolle Dinge schaffen. Sie unterstützt z.B. die Energiewende und finanziert Bio-Landwirtschaft und Betriebe, die ökologische Lebensmittel verarbeiten. Im Immobiliensektor geht es um die Förderung von Wohnungen und Arbeitsstätten, die Ressourcen schonen, Strom erzeugen, ein lebenswertes Umfeld bieten und durch ihre nachhaltige Bauweise eine langfristig sinnvolle Investition darstellen. Ausdrücklich ausgeschlossen von einer Finanzierung sind beispielsweise folgende Geschäftsfelder: Atom- & Kohleenergie, Rüstung und Waffen, Biozide & Pestizide, Gentechnik in der Landwirtschaft, chlororganische Massenprodukte, Massentierhaltung, Embryonenforschung, Suchtmittel und Tierversuche. 

Wichtig auch: Die Geschäftspolitik der GLS Bank ist transparent. In ihrer Kundenzeitschrift „Der Bankspiegel“ werden alle an Unternehmen vergebenen Kredite veröffentlicht. Und die Kund*innen können von vornherein mitbestimmen, wofür die GLS Bank ihr Geld verwendet. Bei der Konto-Eröffnung können sie angeben, in welche Branchen ihre Anlagen fließen sollen. 

Die Arbeit der GLS Bank erhält öffentliche Anerkennung und wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet. So erhielt sie 2012 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis und wurde von der Financial Times und der Internationalen Finanz-Corporation zur nachhaltigsten Bank des Jahres in Europa gekürt. In einer – allerdings nicht repräsentativen – Umfrage unter Bankkunden wurde die GLS Bank außerdem regelmäßig zur „Bank des Jahres“ gewählt.